KINDHEIT

Geschichten über die Kindheit präsentieren, vor allem wenn sie autobiografisch sind, Künstler von einer höchst persönlichen Seite. Persönlich war auch die Auswahl der Zeichner des vorliegenden Heftes. Sie erfolgte ohne das Bemühen, irgendeinen Querschnitt zeigen zu wollen oder die Geschichten auf bestimmte Formalien festzulegen. Dementsprechend gespannt waren wir dann auf die Umsetzungen der Beiträge, die exklusiv für dieses Heft entstanden, wie jene von Tom Tirabosco (Illustrationen), Line Hoven, Nicolas Robel, Patrick Wirbeleit, Anna Sommer und Nadia Budde. Letztere betrat als Bilderbuchillustratorin mit der kleinen Hommage an ihre Grosseltern Comic-Neuland. Treffende, wenn auch nicht exklusive Beiträge fanden wir von Blutch, Charles Berberian, Phoebe Gloeckner und Jordan Crane, einem der umtriebigen amerikanischen Zeichner aus dem Umfeld der international viel beachteten Anthologie Kramers Ergot, der dem deutschsprachigen Publikum bisher weitestgehend unbekannt ist. Ähnlich wenig Beachtung hat auch Phoebe Gloeckner erfahren, wurden doch bisher lediglich zwei kürzere Geschichten Anfang der Neunzigerjahre ins Deutsche übersetzt... In Amerika dagegen werden die Arbeiten der Künstlerin kontrovers diskutiert: Sie erzählt beklemmende Kindheits- und Jugenderinnerungen, durchsetzt von pornografischen Szenen, und lässt dabei im Unklaren, ob es sich um Fiktion oder Autobiografie handelt. Neun sehr unterschiedliche Geschichten füllen nun diese STRAPAZIN-Ausgabe. Sie erzählen vom Kindsein und von der Erinnerung daran – mal traurig, mal sehnsüchtig, mal amüsant, immer aber voller Fantasie – und zeichnen zusammengenommen ein facettenreiches Bild der Kindheit in all ihrer Vielfalt.

Claudia Jerusalem-Groenewald und Michael Groenewald