Kurz und Gut
von Christian Meyer
Die Hamburger Künstlerin Moki hat mit “Asleep in a foreign place” bei Kiki Post ihren ersten Bildband veröffentlicht. Die meist surrealen Landschaftsmotive mit ungewöhnlichem Personal mäandern zwischen Kitsch und Realismus, zwischen Idyll und Unheil und deuten stets abenteuerliche Geschichten an. Ausserdem erscheint in dem Verlag dieser Tage die sechste Ausgabe des aussergewöhnlichen, von Sascha Hommer herausgegebenen Comicmagazins Orang, das dem Thema “Zwielicht” gewidmet ist. Ein Schwerpunkt liegt auf asiatischen Zeichnern, darunter zwei Mitglieder des Kollektivs “Springrolllll” aus Hongkong. Daneben findet man Arbeiten von Anke Feuchtenberger, Sascha Hommer, Line Hoven, Stefano Ricci, Arne Bellstorf, Gregor Wiggert und auch Moki.

Moki: Asleep in a foreign place. Kiki Post, 80 Seiten, farbig, Softcover, Euro 18.- / sFr. 26.90 Sascha Hommer (Hg.): Orang 6 – Zwielicht. Kiki Post, 96 S. s/w, Softcover, Euro 12.- / sFr. 18.-


Den vorläufigen Höhepunkt der Johnny-Cash-Welle markiert die Comicbiografie von Reinhart Kleist, die bei Carlsen erscheint. Kleist zeichnet ungeschönt den Lebensweg des wohl bekanntesten Country-Musikers in kantigen schwarzweiss Zeichnungen nach und reichert die Geschichte mit zahlreichen Songzitaten an. Jüngst erschien bei Carlsen auch das im Stil von Sfar gehaltene und im Januar in Angoulême als bestes Debüt prämierte Album “Aya” von Abouet und Oubrerie. Für März ist ausserdem eine neue Ausgabe von Barus “Autoroute du soleil” geplant.

Reinhard Kleist: Cash – I see a darkness. Carlsen, 224 Seiten, Softcover, Euro 14.- / sFr. 25.30
Marguerite Abouet & Clément Oubrerie: Aya. Carlsen, 112 Seiten, farbig, Hardcover,
Euro 14.90 / sFr. 26.80


Eine Bereicherung für die etwas dürftige deutschsprachige Sekundärliteratur zum Comic dürfte der Reader “Szenarien des Comic – Helden und Historien im Medium der Schriftbildlichkeit” sein. Der von Stefanie Diekmann und Matthias Schneider herausgegebene Band versammelt Beiträge von solch renommierten Autoren wie Jens Balzer, Diedrich Diederichsen, Ekkehard Knörer, Andreas Platthaus u.a. Der erste Teil widmet sich auf ungewöhnliche Art den (Super-)Helden. Im zweiten Teil wird allgemeinen Fragen nach Erinnerung und Zeit im Comic, der Tendenz zum Autobiografischen und im Speziellen dem Geschichtenerzählen bei Maruo Suehiro, Enki Bilal, Pierre Christin, Gary Trudeau, Moebius, Chris Ware, Miyazaki Hayao und Art Spiegelman nachgespürt – eine höchst lohnenswerte Lektüre!

S. Diekmann, M. Schneider (Hg.): Szenarien des Comic – Helden und Historien im Medium der Schriftbildlichkeit. SuKuLTuR,
222 Seiten, Softcover, Euro 24.80 / ca. sFr. 40.-


Beim Berliner Verlag Reprodukt arbeitet man weiterhin fleissig daran, den Veröffentlichungsplan einzuhalten. So sollen bis Anfang Dezember folgende Titel erschienen sein: Lewis Trondheims fatalistisches Album “Mister I”, der Nachfolger zu “Mister O”; der dritte Band von Manu Larcenets sensibler Geschichte “Der alltägliche Kampf” mit dem Titel “Kostbarkeiten”; “Didi & Stulle 6 – Der Plan des Gott” von Fil; “Zwarwald – Elementartierchen” des im Aufspüren der Absurditäten des Alltags versierten Kölner Zeichners Leo Leowald sowie “Blaue Pillen” von Frederik Peeters.

Lewis Trondheim: Mister I. Reprodukt, 32 Seiten, farbig, Softcover, Euro 8.- / sFr. 14.80
Manu Larcenet: Der alltägliche Kampf 3. Reprodukt, 64 Seiten, farbig, Softcover,
Euro 13.- / sFr. 23.60
Fil: Didi und Stulle – Der Plan des Gott. Reprodukt, 48 Seiten, farbig, Softcover,
Euro 7.- / sFr. 13.10
Leo Leowald: Zwarwald – Elementartierchen. Reprodukt, 96 Seiten, farbig, Softcover,
Euro 15.- / sFr. 26.90
Frederik Peeters: Blaue Pillen. Reprodukt,
192 Seiten, s/w, Softcover, Euro 20.- / sFr. 35.10


Bereits im Sommer ist “Ikarus”, das zweite Album von Manuele Fior, beim Berliner avant - verlag erschienen. Darin kombiniert Fior die Geschichte eines Forschers mit der antiken Sage von Ikarus in stark expressiven Zeichnungen. Die unterschiedlichen Stile der Malerei des frühen 19. Jahrhunderts verschmelzen hier zu einem eigenen Stil – Lorenzo Mattotti ist auch nicht weit. Bis spätestens zum Frühjahr sollen beim avant-verlag neben den zahlreichen Sfar-Veröffentlichungen (“Katze des Rabbiners Nr. 5”, “Jerusalem in Afrika” und “Klezmer Nr. 1”) weitere Titel der “Kollektion Ignatz” und “5 Songs”, das neue Album von Gipi, erscheinen. Auch auf den zweiten Teil der Anthologie “Plaque” darf man noch hoffen.

Manuele Fior: Ikarus. avant-verlag 2006, 144 Seiten, zweifarbig, Softcover, Euro 19.95 / sFr. 35.-
Kollektion Ignatz
Matt Broersma: Insomnia 2. David B.: Babel 2. Gipi: Sie haben das Auto gefunden. avant-verlag, je 32 Seiten, zweifarbig, Softcover,
je Euro 9.90 / sFr. 18.-


Inzwischen stürzt sich auch der Verlag Schreiber & Leser ins Manga-Geschäft. Shodoku heisst das Unterlabel für anspruchsvollere Mangabände. Nach Kiriko Nananans aussergewöhnlicher Liebesgeschichte “Blue” sind hier unter anderem auch Jiro Taniguchis “Der Wanderer im Eis” und “Der Selbstmordclub” von Usamaru Furuya erschienen.

Kiriko Nananan: Blue. Schreiber & Leser,
240 Seiten, s/w, Softcover, Euro 14.95 / sFr. 26.90
Jiro Taniguchi: Der Wanderer im Eis. Schreiber & Leser, 240 Seiten, s/w, Softcover,
Euro 14.95 / sFr. 26.90
Usamaru Furuya: Der Selbstmordclub. Schreiber & Leser, 176 Seiten, s/w, Softcover,
Euro 12.95 / sFr. 26.90


Bei der Edition Moderne ist ein neuer Band von Jacques Tardi, der sich spätestens mit seinem Opus “Die Macht des Volkes” unsterblich gemacht hat, erschienen. Der Krimifan legt mit “Killer stellen sich nicht vor” eine weitere Literaturadaption vor. Dieses Mal diente ihm der gleichnamige Roman von Jean-Patrick Manchette als Vorlage. Übrigens: Der Roman wurde bereits 1980 mit Alain Delon in der Hauptrolle verfilmt.

Jacques Tardi: Killer stellen sich nicht vor. Edition Moderne, 80 Seiten, s/w, Hardcover, Euro 17.50 / sFr. 29.80

Nach der ersten Ausgabe im Jahr 2004 fand vom 11. bis 14. Oktober 2006 zum zweiten Mal die “Pictoplasma Conference” in Berlin statt. Rund 1’000 Künstler, Designer und Kritiker aus aller Welt kamen zusammen, um die gemeinsame Sprache reduzierter Figurendarstellung zu zelebrieren. Präsentationen, Vorträge, Diskussionen, Workshops und Performances im Haus der Berliner Festspiele beleuchteten das Phänomen aus unterschiedlichen Perspektiven. Als Quintessenz erschien im November die “Character Encyclopaedia” mit Werken von mehr als 250 Künstlern.

Peter Thaler, Lars Denicke (Hg.): Pictoplasma – The Character Encyclopaedia. Pictoplasma Publishing, Berlin 2006, 396 Seiten, farbig, Hardcover, Euro 59.- , www.pictoplasma.com

Fumetto, 24. 3. – 1. 4. 2007, Luzern
Das vorläufige Programm des 16. Internationalen Comix-Festival “Fumetto” in Luzern steht in groben Zügen fest: Demnach wird es u.a. Ausstellungen von Kati Rickenbach, Anna Sommer, M.S. Bastian, Gipi und Killoffer geben.

www.fumetto.ch