Editorial
Die Seefahrt war schon immer mehr als nur eine simple Fortbewegungsart, nämlich Symbol des Aufbruchs, der Entdeckung, sie versprach Freiheit – und endete nicht selten im Untergang. Schon immer war sie umgeben von einem Hauch von Mystik, von Geschichten um tollkühne Matrosen und leichte Mädchen, Kapitäne und Klabautermänner. Im Sturm auf hoher See offenbart sich, wer den Gefahren des Lebens mutig entgegentritt und der Liebe der Geliebten an Land wert ist. Für die Redaktion war diese Mystik aber nebensächlich. Uns interessierten ganz einfach die Schiffe, die Kolosse der Weltmeere, die aller Physik zum Trotz an der Oberfläche bleiben und niemals (na, fast niemals) untergehen. Diese motorgetriebenen Ungetüme haben es uns angetan und verdienen es, in einer eigenen STRAPAZIN-Ausgabe gewürdigt zu werden.
Den Zeichnerinnen und Zeichnern, die für diese Nummer angefragt wurden, haben wir allerdings nichts vorgeschrieben. Sie hätten unsere Freude an kapitalen Ozeandampfern vielleicht nicht verstanden. Und das Heft wäre wahrscheinlich mit starker Schlagseite auf Jungfernfahrt gegangen. Wichtig ist aber auch die See. Sie ist die prächtige Kulisse für unsere Ozeandampfer – und breitet die Gefühlslandschaft aus, in der sich die Geschichten um Liebe, Glück und Verderben ausbreiten können. Insbesondere für Süsswasserratten besitzt die See ja eine ganz besondere Anziehungskraft. Wahrscheinlich nicht ganz zufällig stammen denn auch – bis auf zwei Ausnahmen – alle Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe aus Binnenländern. Gemeinsam mit ihnen entern wir jetzt dieses STRAPAZIN und rufen, als hätten wir es schon immer getan: Volle Kraft voraus! Hunderttausend heulende Höllenhunde!
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