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Das sind alles Titel von Roadmovies, die wir gesehen haben oder die für uns so oder so zum Bild eines Lebensgefühls‚ made in U.S.A., gehören. Die Welten, die hier wachgerufen werden, unterscheiden sich nicht so sehr von Projektionen auf maritime Themen, die Claudio Barandun und ich – Roli Fischbacher – vor einem Jahr im STRAPAZIN zum Thema «Seefahrt» aufzeigten. Es geht ums Unterwegssein, um Helden und Heldinnen und ihre Schwierigkeiten, einen Platz in der Welt zu finden. Oder letztlich das zu finden, was eine Gesellschaft verkörpert und im Inneren zusammenhält. Der Reiz der menschenleeren Landschaft gegen­über einer funktionierenden Grosstadtgesellschaft mit ihren nervigen und komplexen Verkehrssystemen bildet die emotionale sowie visuelle Anbindung an diese Art von Geschichten.
Aber die Hauptfiguren in Jack Kerouacs Roman «On the Road» zum Beispiel waren nicht nur im Automobil unterwegs. Vielmehr trampten sie, sprangen auf Güterzüge auf, fuhren mit Greyhound-Bussen, auf LKW-Pritschen oder

   
   

dann mit gestohlenen Autos quer über den nordamerikanischen Kontinent und zurück. Und eigentlich sind die Abweichungen von der Norm, welche in der US-amerikanischen Gesellschaft der späten 40er und frühen 50er Jahre bestimmend war, das Lebensgefühl der jugendlichen Aussenseiter und ihr Blick auf den Rest der Gesellschaft Thema dieses Romans.
Das Unterwegssein aber ist und war Teil der weissen amerikanischen Kultur, seit die ersten Einwanderer aus Europa auf dem amerikanischen Kontinent landeten. In den USA ist man nicht nur von einem Staat zum andern unterwegs, sondern oft auch von einem Gemütszustand zum andern. Man fährt auf der Strasse der Erinnerung, manchmal auf der Strasse des Vergessens. Oft ist man alleine unterwegs, lässt die alte Identität zurück, sucht nach einer neuen. Die Strasse ist das Zuhause und die Bewegung die Ausdrucksform.
Der letzte Satz stammt frei formuliert von John Steinbeck, dem grossen Chronisten der Depression der 20er Jahre und der dadurch ausgelösten Abwanderung der verarmten Landbevölkerung Richtung Westen.
Wir wollten das Thema nicht allzu sehr eingrenzen. So sind eine europäische Fernfahrergeschichte, die Faszination für automobile Technik, wunderschöne, Benzin fressende Strassenkreuzer, der Dunst über dem amerikanischen Highway und die reaktionären Countysheriffs, die einem den Trip vermiesen, Inhalt dieses Hefts.

Roli Fischbacher & Claudio Barandun