Kurz und Gut
von Christian Meyer


Die israelische Zeichnerin Rutu Modan, bekannt durch ihre Arbeit in der Künstlergruppe Actus Tragicus, erzählt in «Blutspuren» von dem Taxifahrer Kobi, den eine Unbekannte bittet, das Verschwinden seines Vaters aufzuklären. Denn sie, die Geliebte des Vaters, fürchtet, er sei bei einem Bombenanschlag umgekommen. Modan zeigt junge Leute im israelischen Alltag. In jedem Moment schwingt die zum Normalzustand verfestigte angespannte Situation des Landes mit. Die sehr schönen, leicht naiven Farbzeichnungen reflektieren mit ihrer ungelenken Art die Anspannung im Alltag.

Rutu Modan
«Blutspuren»
Edition Moderne
168 S., Softcover, farbig, Euro 28.– / sFr. 45.–

Die Krimiautorin Fred Vargas hat im Jahr 2000 zusammen mit Edmond Baudoin einen Comic gemacht. In Frankreich nichts Ungewöhnliches. Auch in Deutschland erscheint das Werk ohne «Warnung», wie es im Internet erboste Vargas-Fans, die sich getäuscht fühlen, fordern. Keinen Roman, sondern ‹nur› einen Comic halten sie nun in Händen, und können die düster-fahrigen Zeichnungen und die eigenwillige Verflechtung von Text und Bild kaum würdigen. Klassische Comic-Passagen wechseln mit surrealen Bildstrecken und textlastigen Dialogstrecken in dieser gelungenen Zusammenarbeit.

Fred Vargas / Edmond Baudoin
«Das Zeichen des Widders»
Aufbau Verlag
222 S., Hardcover, s/w, Euro 22.95 / sFr. 41.50

Weniger Comic denn Malerei macht der Berliner Jim Avignon, auch wenn seine Bilder sehr nach Cartoons aussehen. «Trouble with the Aardvaark» ist, wenn man von der CD-Buch-Kombination «Scratchbook» absieht (als Neoangin macht er nämlich auch sehr schöne Musik), eine erste umfangreiche Buchpublikation mit seinen Text integrieren den
Pop-Picassos. Über 100 Bilder des Schnell-Malers versammelt der schmucke Band.

Jacques Tardi
«Adeles ungewöhnliche Abenteuer, Bd. 10 – Das teuflische Labyrinth»
Edition Moderne
48 S., Hardcover, farbig, Euro 12.80 / sFr. 22.80

Das Hamburger Magazin «Spring» positioniert sich zwischen Comic, Grafik und freier Kunst. Die Macherinnen – u.a. Claire
Lenkova, Ulli Lust, Paz Boira, Natalie Huth und Barbara Yelin – widmen sich im fünften Heft dem «Alter Ego». Dementsprechend selbstreflexiv sind die Arbeiten, die um die beiden eigenen Ichs kreisen. Den zwei klassischen Comics von Lenkova und Lust stehen freiere Arbeiten zur Seite, die vielfältige Mischformen des Erzählens austesten.

Spring # 5
«Alter Ego».
www.spring-art.info
172 S., Softcover, zweifarbig, Euro 12.–



Dass bei Nicolas Mahler der Herrenwitz nach hinten losgeht, kann man sich denken. Seine «Herrenwitz-Variationen» suhlen sich im Stumpfsinn des Spiessbürgers, der Traurigkeit des Kleinbürgers und der Selbstgefälligkeit des Bildungsbürgers. Allerdings umfasst die Sammlung auch freie Cartoons. In «Molch» geht Mahler zusammen mit Heinz Wolf dem mörderischen Potential des frust­rierten Herrn mittleren Alters nach. Eine bitterböse Story um einen Serienmörder, lakonisch in Mahlers Wortwahl, karikierend in Wolfs Strich.

Nicolas Mahler
«Die Herrenwitz-Variationen»
Edition Moderne
80 S., Hardcover, farbig, Euro 14.80 / sFr. 24.80


Nicolas Mahler / Heinz Wolf
«Molch»
Luftschacht
92 S., Softcover, s/w, Euro 14.90 / sFr. 26.60