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–– Kurz und Gut –––––––––––––––––––––––––––––––––-----––––––
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Von Christian Meyer
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Für den Splitter-Verlag ist «Sonnen­finsternis» von Fane & Jim eher ungewöhnlich. Der ansonsten auf Fantasy spezialisierte Verlag veröffentlicht mit dieser knapp 300seitigen Graphic Novel eine realistische Geschichte um sechs Freunde in den 1930ern, die ein paar Tage in Südfrankreich verbringen und sich dabei mächtig aufreiben: Die Midlife-Crisis sitzt allen im Nacken. Grafisch deutlich von Baru und dessen dezentem Manga-Touch beeinflusst, sind die Schwarzweiss-Zeichnungen expressiv, mitunter für das Thema un­gewöhnlich überspitzt. Das wirkt auch mal wie «Overacting». Aber es macht Spass, den Protagonisten und ihrer rasanten Psychodynamik und dem stichelnden Humor zuzusehen.
Bei Splitter hat man sich auch Eric Liberges’ Geschichte um einen Verstorbenen im Jenseits angenommen: «Monsieur Mardi Gras – Unter Knochen» erzählt in vier Bänden von einem leicht cholerischen Toten, der sich mit dem Zustand des Jenseits nicht abfinden möchte. Grotesker Humor, existentielle Themen und eine grossartige Grafik, die an alte Stiche erinnert, machen Liberges’ Skelettgeschichte zu einer der faszinierendsten Serien der jüngeren Zeit.
Fane & Jim: «Sonnenfinsternis», Splitter, 288 S., s/w, Hardcover,
Euro 24.80 / sFr. 45.90
Eric Liberge: «Monsieur Mardi Gras – Unter Knochen» (4 Bände),
Splitter Verlag, je 64 S., farbig, Hardcover,
je Euro 13.80 / sFr. 26.90 (Band 1–4 im Schuber, Euro 66.80)
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Das Frauenkollektiv um die Anthologie Spring veröffentlicht mit der sechsten Ausgabe einen dicken Band zum Thema «Verbrechen». Die 13 Beiträge reichen von Comic über Grafik-Design bis hin zu freier Kunst – natürlich alles mit narrativer Note. Mal assoziativ, mal mit konkreten Stories wird dem Verbrechen und den VerbrecherInnen in ästhetisch ausgefallenen Konzepten gehuldigt. Mit Beiträgen von Marijpol, Nora Krug, Carolin Löbbert, Claire Lenkova u. a. Letztere erzählt in ihrem Album «Grenzgebiet» von einer «Kindheit zwischen Ost und West», beginnt aber bereits zwei Generationen vorher. In locker arrangierten Bleistiftzeichnungen umkreist sie das Leben in der DDR, während ein Sachtext darunter Fakten zur DDR liefert.
Diverse: «Spring # 6», 168 S., s/w, Softcover, Euro 14.–
Claire Lenkova: «Grenzgebiet – Eine Kindheit zwischen Ost und West», Gerstenberg, 48 S., farbig, Hardcover, Euro 14.90 / sFr 26.50
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Dupuy-Berberian, vor allem durch ihre Album-Reihe «Monsieur Jean» bekannt, begleiten in «Beinahe reich» Étienne, der gerade im Lotto gewonnen hat und sich fragt, wie sich nun sein Leben verändern wird. Tatsächlich wirft es ihn aus der Bahn, noch bevor er überhaupt das Geld hat. Streit mit Freunden, ein Unfall und üble Albträume setzen ihm zu. Stilistisch und personell ist «Beinahe reich» sehr nahe an Monsieur Jean, aber dennoch ein gelungener Abstecher in ein anderes Leben.
Mit «Die Liebe im Zeichen der Con­cierge» veröffentlicht der Reproduktverlag auch den lange vergriffenen ersten Band aus der Reihe des Duos um den Pariser Literaten neu. Inzwischen gibt es sechs Bände, und Jean ist längst unter der Haube und Vater. Hier erzählen die Autoren noch in Kurzgeschichten und Jean ist noch ein Schwe­renöter, sein chaotischer Freund Felix macht ihm aber bereits das Leben schwer. Franko-Belgische Comic-Kunst um einen Thirtysomething jenseits von sentimentalen Jugendträumen.
Apropos belgische Comic-Kunst: Nach «Auf den Spuren von Tim & Struppi» erkundet Michael Farr mit «Tim & Co.» das Figuren­arsenal von Hergés erfolgreichster Reihe. War der erste Sekundärband noch weitgreifend informativ, ist dieses nicht minder akribisch recherchierte und reich bebilderte Werk wohl nur noch für ex­plizite Tim-Aficionados von Interesse. Aber davon gibt es ja viele.
Dupuy-Berberian: «Beinahe reich», Reprodukt, 80 S., farbig, Softcover, Euro 17.– / sFr. 29.90
Dupuy-Berberian: «Monsieur Jean 1: Liebe im Zeichen der Concierge»,
Reprodukt, 48 S., farbig, Hardcover, Euro 15.– / sFr. 27.40
Michael Farr: «Tim & Co.», Carlsen, 128 S., farbig, Hardcover,
Euro 24.90 / sFr 44.90
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«Prosopopus» von Nicolas de Crecy ist formell wie narrativ ein erstaunliches Werk: Der Franzose erzählt seine Geschichte um einen Mord vollkommen ohne Text, nur mit seinen sehr schönen, mit schnellem Strich, aber detailreich gehaltenen Zeichnungen. Wie er einen Mord und dessen Vorgeschichte surreal zusammenschnürt und mit einer grotesken Comic-Figur verbindet, ist vollkommen einzigartig und lässt den Leser sprachlos zurück. Auch Sascha Hommer stellt in «Vier Augen» seinem Prota­gonisten eine Fantasiefigur zur Seite: Hommers Alter ego taumelt in der Oberstufe zwischen erstem Liebeskummer und ersten Drogenerfahrungen. Langsam verliert er den Boden unter den Füssen. Hommer versteht es einerseits, treffende Alltagsbeschreibungen zu liefern. Andererseits bindet er surreale Momente ein, die das pubertäre Treiben wie bei Charles Burnes’ «Black Hole» ins Düster-Märchenhafte gleiten lassen, und das ganz ohne Pathos.
Nicholas de Crecy: «Prosopopus», Reprodukt, 104 S., farbig,
Softcover, Euro 18.– / sFr. 32.40
Sascha Hommer: «Vier Augen», Reprodukt, 124 Seiten, s/w,
Softcover, Euro 13.– / sFr. 24.-
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«Ein Mann geht an die Decke» ist Katharina Greves Albumdebüt. Die Geschichte um einen Fahrstuhlführer des Berliner Fernsehturms ist ein gewitztes Spiel mit Perspektive und Standpunkt. Der dünne Strich erinnert an mathematische Zeichnungen und auch die Story dreht und wendet sich geometrisch und erinnert etwas an Marc-Antoine Mathieu. Ein schönes und wohl durchdachtes Werk, das ein wenig schwindelig macht.
Katharina Greve: «Ein Mann geht an die Decke», Die Biblyothek, 48 S., s/w, Hardcover, Euro 14.– / sFr 24.90
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Der zweite Teil der auf fünf edle Bände angelegten Gesamtausgabe von Tove Janssons Comic-Strips aus den 1950er-Jahren versammelt wieder vier abgeschlossene Geschichten des Trolls «Mumin», der grosse Ähnlichkeit mit einem Nilpferd aufweist. Superniedlich, supersurreal!
Tove Jansson: «Mumins Band 2», Reprodukt, 88 S., s/w, Hardcover,
Euro 24.– / sFr. 42.30
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